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Froggologie! Oder: Sagen Sie nicht, ich hätte Sie nicht gewarnt!

Zweifeln Sie mittlerweile auch daran, dass weiche Knie und Herzklopfen verlässlichen Indikatoren dafür sind, den richtigen Mann für eine lange, glückliche Partnerschaft gefunden zu haben? Gut so, denn dummerweise treten diese Symptome auch dann auf, wenn man sich in einen Hardcore-Frosch verliebt hat und die nächsten Monate höchstwahrscheinlich Enttäuschung und Schmerz bringen werden. Um den „Griff ins Klo“ bei der Männerwahl in Zukunft zu vermeiden, ist – neben viel Intuition – eine genauere Kenntnis der Gattung „Frosch“ hilfreich.

 

1. Froggologie – was ist ein Frosch?

2. Gefährliche Froggyarten

 

1. Froggologie - was ein Frosch?

Ein Frosch ist ein Exemplar Mann mit Charakterstrukturen und Verhaltensweisen, die sogar selbstbewusste, starke Frauen im Laufe der Zeit in nervliche Wracks verwandeln können. Das bedeutet keinesfalls, dass sich solch ein Mann gar nicht ändern könnte. Und, was Sie vermutlich mehr freuen wird: Es bedeutet auch nicht, dass Sie als Frau ihn unter keinen Umständen ändern könnten. Aber um aus einem Froggy einen Mann zu machen, mit dem es sich gut leben lässt, braucht Frau enorme Geduld, Zähigkeit und – was am allerwichtigsten ist – wahre Meisterschaft in der Männererziehung. Meist jedoch tut man gut daran, die eigenen Nerven nicht unnötig zu strapazieren und sich statt für den Frosch lieber für einen Prinzen mit leichten Macken zu entscheiden. Auch der bietet noch genug Herausforderung, birgt aber zumindest nicht die Gefahr, sich eines Tages zermürbt in der Psychaterie oder einem Frauenhaus wiederzufinden.

 

2. Gefährliche Froggyarten

Gut möglich, dass Sie schon bei den ersten Begegnungen spüren, dass mit diesem Mann etwas nicht stimmt. Sollten Sie Ihrer inneren Stimme nicht trauen, halten Sie die Augen offen, ob er in eine oder mehrere der folgenden Kategorien gehört:

 

1. Der sexy Hassfroggy

2. Der Suchtfroggy

3. Der Wut- und Prügelfroggy

4. Der Kontrollfroggy

5. Der Perversfroggy

 

1. Der sexy Hassfroggy

Das Dumme an dem sexy Hassfroggy ist, dass Sie, wenn Sie ihn kennenlernen, zunächst glauben werden, das ganz große Los gezogen zu haben. Er ist so viril, dominant und lüstern, dass schon ein Blick von ihm genügt, um Ihre Hormone zu ungeahnter Aktivität zu pushen. Eben ein echtes Alpha-Männchen, auf das alle Frauen fliegen, und er weiß es. Oft ist er beruflich erfolgreich, zumindest aber außerordentlich intelligent oder mit einem ungewöhnlichen Talent ausgestattet. Manche Hassfroggies sind zudem wirklich gutaussehend, obwohl das bei dieser Spezies eigentlich nicht erforderlich ist, um eine magnetische Wirkung auf Frauen auszuüben. Ein Leben mit ihm verspricht Intensität, Abenteuer, hemmungslose Leidenschaft und Thrill. Wenn Sie brave Jungs immer langweilig fanden und die Aussicht auf ein Leben in einer Reihenhaushälfte mit zwei Kindern und einem Kleinwagen vor der Tür Sie so reizt wie eine Wurzelbehandlung beim Zahnarzt, sind Sie in Gefahr, dem Reiz des sexy Hassfroggies zu erliegen. Natürlich sind sie eine starke, eigenständige, attraktive Frau - andere Frauen sind für diesen Männertyp ohnehin keine attraktive Beute, denn nur die Eroberung und anschließende Demütigung einer ebenbürtigen Partnerin verschafft ihm Befriedigung. Und hier sind wir auch schon bei dem Aspekt, der dem Hassfroggy seinen Namen gibt: Im Grunde hasst und verachtet er Frauen. Seine Motivation zur Eroberung einer Frau ist nicht Verliebtheit, sondern der Wunsch nach Rache. Irgendwann in seiner Kindheit oder auch in einer früheren Partnerschaft ist dieser Mann so tief durch die Zurückweisung einer Frau gekränkt worden, dass nun alle anderen Frauen hierfür bezahlen müssen.

Aber beschäftigen Sie sich bitte nicht lange mit den Ursachen seines Verhaltens und versuchen Sie nicht, seine seelischen Wunden zu heilen. Sorgen Sie lieber dafür, dass er Ihnen nicht fürchterlich wehtut. Dafür gibt es nur zwei Möglichkeiten: Entweder verkneifen Sie sich selbst jedes emotionale Involvement und vernaschen ihn nur spaßeshalber, oder Sie klatschen den Frosch gegen die Wand und spülen die Reste weg. 

 

Sie erkennen diesen Mann leicht an seinem Frauenkennertum, seiner Zurückhaltung in der Anfangsphase Ihres Kennenlernens und den emotionalen Wechselduschen, die er Ihnen angedeihen lässt. Sie werden sich bei den ersten Treffen blendend mit ihm unterhalten und das Gefühl haben, endlich von einem Mann wirklich verstanden zu werden. Mehr noch: Sie werden den Eindruck gewinnen, die Einzige zu sein, der sich dieser Mann jemals so vertrauensvoll geöffnet und die verwundbarsten Seiten seiner Seele pseudo-offenbart hat. (Dass er diese Geschichten jeder Frau erzählt, wissen Sie nicht.). Möglicherweise wird er bei den ersten Treffen gar nicht versuchen Sie zu berühren oder zu verführen, so dass Sie sich zu fragen beginnen, ob er Sie vielleicht nicht attraktiv genug findet. Und genau diese Selbstzweifel schürt er systematisch, denn er will Sie langsam weichkochen, bis Sie den ersten Schritt tun. Es gibt allerdings auch Hassfroggies, die gleich mit nie gekannter Leidenschaft und Hemmungslosigkeit über die Frau herfallen, um sich nach diesem Höhenflug erst einmal monatelang nicht mehr zu melden. Wenn Sie also von diesem Mann eine Weile nichts hören, ist er nicht etwas zu beschäftigt oder desinteressiert. Er sorgt lediglich für ein ständiges Hin und Her zwischen intimer Nähe und cooler Unerreichbarkeit, was auch die souveränste Frau irgendwann so zermürbt, dass sie nur noch ein Ziel kennt: Um jeden Preis diejenige zu werden, die diesen faszinierenden Mann dauerhaft an sich bindet und sein Herz gewinnt. Spätestens dann ist frau fällig für die erste schwere Demütigung, schließlich verachtet sie der Hassfroggy dafür, dass sie so schwach und dumm ist ihm zu erliegen. Eine bei Hassfroggies übliche Form der Demütigung ist es, die Frau demonstrativ mit einer oder mehreren anderen Frauen zu betrügen. Dabei geht es ihm weniger um den Sex mit den anderen Frauen als um die Zerstörung des Selbstwertgefühl seiner „Partnerin“. Diese Strategie wird auch dann noch angewandt, wenn sich der Frosch dazu durchgerungen hat seine Partnerin zu heiraten. Und vor allem dann, wenn er sich dabei ertappt sie zu lieben. Nein, glauben Sie nicht, dass alles gut wird, wenn er Sie nur liebt. Dann wird es in der Hölle erst richtig heiß, denn als liebender Mann würde er echter Nähe zulassen und sich ausliefern. Das geht nun schon gar nicht, also folgt prompt eine Maßnahme, mit der er die Frau dafür bestraft, derartige Gefühle in ihm ausgelöst zu haben. Beispielsweise ignoriert er ihre Präsenz und lebt völlig egoistisch so, als sei er ein Single, der tun und lassen kann, was er will. Oder er macht sie genau für die Qualitäten nieder, die ihre Persönlichkeit erst ausmachen: Stil, Stärke – was auch immer. Klingt nicht wirklich nach der optimalen Beziehung, oder?

 

2. Der Suchtfroggy

Auch Suchtfroggies können recht reizvoll und charmant sein, so lange sie noch nicht das Stadium des schweren Alkoholikers, Tabletten- oder Drogensüchtigen oder hemmungslosen Zockers, der Haus und Hof verspielt, erreicht haben. Deshalb ist die Gefahr groß, erste Anzeichen einer Sucht zu verharmlosen oder beide Augen ganz fest zuzumachen, wenn der lebenslustige Froggy Charming schwört, ganz bestimmt kein Alkoholproblem zu haben, und man solle nicht so eine verklemmte Spießerin sein, sondern lieber mit ihm feiern. Und die Tabletten – ach, die nimmt er doch nur mal am Wochenende, um Party zu machen, die seien völlig harmlos und machten doch nicht abhängig. Bullshit! Ähnlicher Schwachsinn ist die Rechtfertigung: „es sind doch nur ein paar Biere zur Entspannung nach dem Stress im Job, deswegen bin ich doch kein Trinker.“ Vermutlich doch, oder zumindest auf dem besten Wege einer zu werden.

 

Eine Beziehung mit einem Süchtigen ist nur dann etwas für Sie, wenn Sie auf flotte Dreier stehen: Sie, der Mann Ihrer Träume und das Suchtmittel. Denn dieser Mann ist früher oder später nicht mehr Herr seiner selbst, sondern Sklave seiner Sucht. Sollten Sie sich bei Gedanken wie „Wenn er mich liebt, wird er sich ändern“ oder auch „Wenn ich ihn nur genug liebe, wird er sich ändern“ ertappen, Vorsicht!! Die Macht einer Sucht ist gewaltig und zerstörerisch. Besorgen Sie sich Literatur über Suchtkrankheiten, informieren Sie sich in Selbsthilfegruppen für die Partner von Süchtigen, dann wird Ihnen bald klar, welches Martyrium Sie erwarten kann. Hier ein kleiner Vorgeschmack:

 

- Er wird unberechenbar und unzuverlässig, verantwortungslos.

- Er reagiert zunehmend gereizt, neigt zu Wutausbrüche oder Gewalttätigkeit.

- Er verfällt in Depressionen, wird emotional kalt und distanziert.

- Sein – und somit möglicherweise auch Ihr – Kontostand tendiert gegen Tiefrot, schließlich müssen Drogen- oder Spielsucht finanziert werden, und oft kostet die Sucht auch den Job.

- Sie verlieren den Respekt vor Ihrem Partner.

 

Die Chancen auf eine glückliche Beziehung sind denkbar gering. Hoffnung besteht nur dann, wenn der Mann Ihres Herzens fähig ist, sich und Ihnen sein „Problem“ einzugestehen und den festen Willen besitzt, ernsthaft an einem Ausstieg aus der Sucht zu arbeiten. Vorwürfe Ihrerseits werden ihn aber garantiert nicht an diesen Punkt bringen, sondern entlocken ihm maximal einige hohle Versprechungen. Hier sind sehr viel härtere Geschütze erforderlich. Wieder stellt sich die Frage, ob der Krieg gegen eine Sucht wirklich Ihre bevorzugte Lebensform ist. Wenn nicht – by, by, Froggy!

 

Wie gesagt - süchtige Frösche können durchaus ihren Reiz haben. Und wenn man sich von ihnen angezogen fühlt, ist es nicht verkehrt, einmal nach den Gründen zu forschen.

 

1. Bin ich in meiner Familie mit Suchtkranken aufgewachsen, weshalb ich diese Konstellation unbewusst mit einem Partner wiederhole? Vielleicht um zu lernen, jetzt anders damit umzugehen?

2. Verleiht mir die Unterstützung, die ich einem suchtkranken Mann geben kann, ein Gefühl des Wertes und der Macht?

3. Glaube ich in einem versteckten Winkel meines Herzens, nichts Besseres zu verdienen als einen Mann, der mich wegen seiner Süchte schlecht behandelt?

4. Bin ich selbst sehr kontrolliert und träume insgeheim davon, lockerer und unkonventioneller zu sein?

5. Habe ich selbst ein latentes Suchtproblem?

Ok, es könnte natürlich auch schlichtweg daran liegen, dass der Suchtfroggy aussieht wie Robbie Williams, singen kann wie Robbie Williams oder berühmt ist wie Robbie Williams. Denn Robbie Williams ist ein klassisches Beispiel für einen Suchtfroggy.

3. Der Wut- und Prügelfroggy.

 

Ein wunderbares Buch heißt „Wenn es weh tut, ist es keine Liebe“. Das gilt ganz wörtlich für den Wut- und Prügelfroggy. Klar, zornig werden wir alle gelegentlich, das ist normal und gesund. Aber bei Kleinigkeiten komplett auszurasten, ist es nicht mehr. Wenn vor Ihnen ein Mensch steht, der völlig unangemessen tobt, schreit und Sie beschimpft, möglicherweise sogar mit Gegenständen wirft oder handgreiflich wird, lässt sich das nicht mehr mit Temperament oder Hitzigkeit entschuldigen. Gut möglich, dass hier ein psychologisches Problem vorliegt, das für Sie beängstigend oder gar lebensgefährlich werden könnte. Die meist in der Kindheit liegenden Ursachen brauchen Sie aber nicht zu interessieren, denn wenn Sie nicht gerade eine professionelle Therapeutin sind, können Sie ihm kaum helfen. Sollten Sie Ansätze eines Helfersyndroms bei sich entdecken, halten Sie es im Zaum: Hier kommen Sie selbst mit viel Liebe nicht weiter. Der Wut- und Prügelfroggy braucht eine spezielle Anti-Aggressionstherapie oder eine andere Therapieform, die an den Wurzeln in der Kindheit ansetzt.

 

Versuchen Sie mal, mit einem jähzornigen oder gewalttätigen Mann über sein Verhalten zu reden. Schon ein ganz normaler Prinz wird auf Vorwürfe mit einem Gegenangriff reagieren, statt zu sagen „schön, Schatz, dass Du mich auf meine Charakterfehler aufmerksam machst. Ich werde darüber nachdenken und sie ändern.“ Um wie viel heftiger fällt dann erst die Reaktion eines Wutfroggies aus. Schließlich ist – in seinen Augen – sein Toben und Wüten völlig angemessen, denn Sie haben dies oder jenes getan, um seinen Ausbruch zu provozieren. Ja, es ist natürlich alles Ihre schuld!! Vorsicht, diese Argumentation kann im Laufe der Monate zu einer echten Gehirnwäsche mit einer völlig verzerrten Selbst-Wahrnehmung der Frau führen, deren Selbstwertgefühl systematisch zerstört wird. Gehen Sie lieber, so lange Sie noch einen klaren Blick für die Realität haben.

 

Eine andere Form von Hölle erleben Frauen bei Männern, die sie schlagen, sich dann zerknirscht entschuldigen und schwören, dass es nie, aber wirklich niemals wieder vorkommen wird – nur um den Schwur bei nächster Gelegenheit zu brechen. Die Intensität von Liebe und Leidenschaft ist so groß, dass man gewillt ist, dem reuigen Sünder wieder und wieder Glauben zu schenken. Das führt nur dazu, dass die Ankündigungen der Frau, sie würde beim nächsten Übergriff wirklich gehen, nicht mehr ernst genommen werden und der Mann den letzten Rest von Respekt verliert. Wenn ein Mann das erste Mal zugeschlagen hat, sollten Sie sofort bei einer Beratungsstelle Hilfe suchen. Es mag sich tatsächlich um einen einmaligen Ausrutscher handeln, aber es kann auch der Eingang zur Hölle sein. 

Sollten Sie sich zu einem nicht nur dominanten, sondern potentielle jähzornigen Mann hingezogen fühlen, werfen Sie doch mal einen Blick auf diese Fragen:

1. Habe ich in meiner Familie Jähzorn oder Prügel erlebt und assoziiere nun unbewusst Liebe mit Gewalt und Demütigung?

2. Fühle ich mich von einem extrem emotionalen Menschen angezogen, weil ich selbst sehr kontrolliert bin? Gegensätze ziehen sich an…

3. Bin ich etwas unsicher, hilflos und entscheidungsschwach und mag es, wenn man mir sagt, was ich tun soll? (Das macht Sie zu einem leichten Opfer…)

Dreimal „Nein“? Gut so, bitte seien Sie trotzdem auf der Hut. Es gibt nettere Ort als Frauenhäuser.

 

4. Der Kontrollfroggy

Der Kontrollfroggy kann leicht mit dem Wutfroggy verwechselt werden, da auch er oft wegen Kleinigkeiten überzogen heftig reagiert. Aber die Ursache ist eine andere. Während ein Wutfroggy aus unterdrücktem Schmerz verbal und körperlich um sich schlägt, steckt hinter den Ausbrüchen des Kontrollfroggys nackte Angst. Er will alles im Griff haben, die Dinge sollen nach seinen Vorstellungen gemacht werden, und nur seine Einstellungen und sein Stil sind annehmbar. Sie werden mit so einem Mann in der permanenten Angst leben, etwas falsch – das heißt anders als er es für richtig hält - zu machen und dafür mit Schmähungen, Demütigung oder Liebesentzug bestraft zu werden. Rechnen Sie lieber damit, dass solch ein Mann Sie nicht nur ständig kritisch beobachten, sondern auch versucht wird ihr Leben nach seinen Regeln und Vorstellungen umzukrempeln und über Sie zu bestimmen. Hinter diesem Verhalten steckt die Angst vor der völligen Machtlosigkeit, mit der ein Kontrollfroggy irgendwann in seinem Leben einmal massiv konfrontiert war, und die er nie wieder erleben möchte. Also setzt er alles daran, die Kontrolle über jeden Bereich seines Lebens zu erlangen.

 

Wenn Sie eine selbstbewusste Individualistin sind, werden Sie vermutlich bald von dieser Gängelung und Einschränkung genug haben und seilen sich elegant ab. Sollten Sie nicht davon überzeugt sein, einfach wunderbar, liebeswert und stark zu sein, bieten Sie dem Kontrollfroggy eine gefährliche Angriffsfläche. So ging es auch Diana: Als sie den Frosch kennen lernte, war sie eine attraktive, lebensfrohe, warmherzige Frau, die gerne lachte, überall beliebt war und im Beruf auch schwierige Aufgaben meisterte. Aufgrund ihres dominanten Vaters hatte sie allerdings immer das dumpfe Gefühl, nicht gut genug und nicht wirklich liebenswert zu sein. Dann traf sie Mr. Beleidigt. (Diesen Spitznamen gab ich ihm, weil er sich immer, wenn es nicht nach seinem Kopf ging, beleidigt schmollend von ihr zurückzog.) Sie verfiel der Anziehungskraft dieses scheinbar starken Mannes, dem sie nach einer leidenschaftlichen, glücklichen Anfangsphase der Beziehung bald nichts mehr recht machen konnte. Was immer sie tat, es war verkehrt und führte zu wüsten Beschimpfungen oder tagelangem, gekränktem Schweigen. Es dauerte nur wenige Monaten, bis diese großartige Frau überzeugt war, völlig unfähig und wertlos zu sein und nichts Besseres zu verdienen, als um seine Liebe betteln zu müssen. Sich von diesem kaltherzigen, kontrollsüchtigen Mann zu lösen, war ein langer, schwieriger und schmerzhafter Prozess, der sich über zwei Jahre hinzog. Erst dann hatte sie wieder ein solides Selbstbewusstsein aufgebaut und bekam keine weichen Knie mehr, wenn sie Mr. Beleidigt zufällig auf der Straße traf.

 

5. Der Perversfroggy

Wenn es um Sex und Erotik geht, sind die Geschmäcker bekanntlich verschieden. Ob Spanking, Natursekt, SM, Bondage oder Ponyspiele - so lange sich Zwei mit ähnlichen Vorlieben finden, beide mit dem Sex zufrieden sind und niemand Schaden nimmt – warum nicht?! Schwierig wird es erst, wenn sich die erotischen Bedürfnisse nicht miteinander vereinbaren lassen. So traurig es ist, einen großartigen Mann aufgeben zu müssen, weil er sexuelle komplett anders tickt – es muss leider sein. Diese Erfahrung habe ich sogar zweimal gemacht: Ich erinnere mich an ein Blind Date mit einem überaus sympathischen, etwas konservativ wirkenden Norddeutschen, der schon bald offenbarte, wie gerne er seine nackten Partnerinnen an der Leine im Garten spazieren führt oder ihnen den Hintern versohlt. Nein, besten Dank, in diesem Szenario sah ich mich nicht. Ähnliches erlebte ich bei einem sehr attraktiven Mittfünfziger, der auf Gruppensex stand. Ich hingegen ziehe es vor, wenn die Zahl der Personen im Bett – oder wo auch immer – zwei nicht übersteigt, weshalb auch er nicht der Richtige für mich sein konnte. Beide Männer fallen für mich aber nicht in die Kategorie des Perversfroggies.

 

Unter einem Perversfroggy verstehe ich vorrangig jemanden, der zu seinem sexuellen Vergnügen Menschen – oder andere Kreaturen – benutzt, die ihm unterlegen oder gar ausgeliefert sind. Er will keine Lust mit einer gleichstarken Partnerin, sondern zieht seine Befriedigung aus dem Missbrauch von Schwächeren.

Die Studentin Lydia lebt sogar mit solch einem Mann zusammen und leidet entsprechend. Sie entdeckte eines Tages, dass ihr Freund nicht nur ständig vor dem Computer saß, um sich die üblichen Pornosites anzusehen, sondern auch auf Sexsites mit Kinderpornografie surfte und Chat- sowie Telefon-Kontakte mit einer 14-Jährigen pflegte. Das war doppelt bitter für Lydia, denn seit längerer Zeit hatte ihr Freund kaum noch Interesse an Sex mit ihr gezeigt und dies immer damit entschuldigt, er sei zu müde wegen der Vorbereitungen für seine Uni-Prüfungen. Seit dieser Entdeckung lebt Lydia tagtäglich mit einen emotionalen Spagat zwischen dem quälenden Wissen um die Neigung ihres Freundes, verbunden mit der Abwertung ihrer Weiblichkeit, und dem ansonsten glücklichen Miteinander ihrer Beziehung, das sie ungern aufgeben möchte. Ihr Freund ist liebevoll, fürsorglich, öffnet sich emotional. Aber das Damoklesschwert, er könne sich eines Tages an einem Kind vergreifen, schwebt unübersehbar über ihnen.

 

Es sind aber nicht nur Kinder, mit denen man die Liebe zu einem Perversfroggy teilen muss. Von dem Außendienstmitarbeiter einer Krankenkasse hörte ich, dass er immer wieder bei den Besuchen auf Bauernhöfen den Bauern im Stall – und in der Kuh – vorfand.

Wenn Sie die Sendung von Domian kennen, werden Ihnen noch viele andere Fälle von sexuellen Praktiken und Vorlieben einfallen, die das Label „Perversfroggy“ rechtfertigen. Es mag auch hier Mittel und Wege geben, diese Männer von ihren Neigungen abzubringen und miteinander glücklich zu werden. Aber warum so viel Aufwand, wenn es Tausende normal veranlagter Männer gibt, mit denen man ohne therapeutische Klimmzüge geilen Sex und eine schöne Beziehung haben kann?