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Erfolgsstrategien 1 - die Macht der Konditionierungen

 

Hirn-Verständnis macht erfolgreich

A. Warum sind Menschen eigentlich so wie sie sind? Individuelle Persönlichkeit? Ja, unter anderem. Es gibt aber noch einen anderen Faktor, der uns in erstaunlichem Umfang bestimmt, und das sind Konditionierungen. Konditionierungen sind neuronale Verbindungen in unserem Gehirn, die durch bewusste oder unbewusste Lernerfahrungen entstanden sind und uns heimlich steuern. Ein Beispiel: Ein dreijähriges Mädchen wird von ihrer Mutter alleine gelassen und hat riesengroße Angst, dass Mama nie wiederkommt. So eine emotionsgeladene Erfahrung kann sich im Gehirn des Mädchens in Form von neuronalen Verbindungen manifestieren und bewirken, dass sie als erwachsene Frau mit unangemessen großen Verlassenheitsängsten reagiert, wenn sie sich von ihrem Partner alleine gelassen fühlt. Sie denkt dann vielleicht, das Verhalten des Mannes sei für ihre Reaktion verantwortlich ist und er sollte sich ändern, damit es ihr gut geht. Tatsächlich aber ist die Ursache ihres Problems diese alte konditionierende Erfahrung, die sie längst vergessen hat. Erstaunlich, aber wahr: Ein Großteil unserer Überzeugungen und Reaktionsmuster basiert auf derartigen Konditionierungen. Wer nun diese inneren Steuerungsmechanismen erkennt, gewinnt damit die Macht, sich von ihnen zu befreien. Das ist vor allem bei den Konditionierungen wichtig, die den Erfolg in Liebe und Beruf stören.    

Spruch: Nichts ist so logisch wie Gefühle 

 

B. Es kursiert das Vorurteil, Gefühle seien irrational. Nichts könnte weiter von der Realität entfernt sein. Denn in letzter Konsequenz gibt es nur drei Primär-Ursachen von Gefühlen. Sie zu kennen ist Gold wert, um sich selbst und auch die Mitmenschen besser zu verstehen und zu beeinflussen. Also welches sind diese drei Ursachen?

 

1. Steinzeitprogramme, die unser Überleben sichern sollen: Typische Beispiele: Auf Bedrohungen reagieren wir aggressiv (Angriff), ängstlich (Flucht) oder ohnmächtig (Erstarrung).

2. Unmittelbare emotionale Reaktionen auf Reize: Ein Beispiel: Der Anblick einer sonnenbeschienen Blumenwiese löst ein Wohlgefühl aus und eine Fratze stößt uns ab, ohne dass wir auch nur eine Sekunde  nachdenken müssten.      

3. Herbeigedachte Gefühle: Wir nehmen etwas wahr und interpretieren oder bewerten es, wobei es unsere Konditionierungen sind, die über das „wie“ der Bewertung entscheiden. Die Gefühle resultieren dann aus der Bewertung. Ein Beispiel: Jemand schaut dich direkt an. Wenn dein Selbstbild positiv ist, interpretierst du dies als Interesse – und fühlst dich gut. Hast du aber prägende Erfahrungen gemacht, bei denen deine Grenzen nicht geachtet wurden, interpretierst du dasselbe als Bedrohung und reagierst aggressiv oder ängstlich. 

Genau diese herbeigedachten Gefühle verursachen die meisten zwischenmenschlichen Konflikte, weil vielen gar nicht klar ist, dass das, was sie fühlen und denken, selbstgemacht ist.

   

„Das ist ja interessant!“ – die perfekte Reaktion in jeder Lebenslage. 

C. Wie gehst du normalerweise mit unangenehmen Gefühlen um? Erträgst oder verdrängst du sie? Versuchst du dich abzulenken oder die Gefühle zu betäuben? Ich hätte einen anderen Vorschlag, wie du auf unerwünschte Gefühle oder Gedanken reagieren kannst. Versuch es mal mit dem Satz: „Das ist ja interessant.“ Warum ist das sinnvoll? Auch negative, unerwünschte oder schmerzvolle Gefühle sind Indikatoren mit großem Informationsgehalt. Wer sie interessant betrachtet und analysiert, statt sie zu verdrängen, gewinnt wertvolle Erkenntnisse, die ihm helfen, erfolgreich zu entscheiden und zu handeln. In der Praxis könnte das so aussehen: Ein Mann, nennen wir ihn Klaus, fühlt sich jedes Mal seltsam unsicher, wenn er mit seinem deutlich älteren Kollegen umgeht. Statt nun sich selbst für die Unsicherheit zu kritisieren oder den Kollegen blöd zu finden, denkt er nur „das ist ja interessant“ und überlegt entspannt, was hinter dem Gefühl stecken könnte. Plötzlich erinnert er sich an einen Ex-Chef, der Klaus oft niedergemacht hatte und typologisch seinem Kollegen ähnelte. Jetzt versteht Klaus plötzlich: Sein Kollege triggert ungewollt diese alte prägende Erfahrung und bewirkt, dass sich Klaus fühlt wie damals. So funktionieren Konditionierungen. Und so einfach und befreiend kann es sein, sie zu durchschauen. Auch deine. Wie gesagt: Der Zaubersatz, der die Tür zur Erkenntnis öffnet, lautet: „Das ist ja interessant.“           

 

Pack die Konditionierung an der Wurzel

A. Bin ich gut genug, um für meine Leistung auch gutes Geld zu verlangen oder diese verantwortungsvolle Position zu übernehmen? Sollte ich nicht lieber kleinere Brötchen backen? Viele Menschen – insbesondere Frauen – stellen sich solche Fragen.  Derartige Selbstzweifel und andere erfolgshemmende Gefühle, Gedanken und Verhaltensweisen sind häufig das Resultat konkreter prägender Erfahrungen, die du mittels einiger einfacher Fragen leicht identifizieren kannst. Beginne damit aufzuschreiben, welches Gefühl oder welchen Gedanken du näher erforschen willst. Und dann gehst Du den Dingen auf den Grund: Woran erinnert dich dieses Thema? Wann hast du dich sich schon einmal so gefühlt? Wie alt warst du damals? Wenn dich deine Recherchen in deine Kindheit führen – gab es typische Aussprüche deiner Eltern, die dich geprägt haben? Oder familiäre Überzeugungen darüber, was man darf oder nicht darf und wie man sich zu verhalten hat? Oder hat man dir unausgesprochen vermittelt, dass du nicht liebenswert bist oder dir Anerkennung verdienen musst? Schreib einfach alles auf, ohne zu bewerten oder zu sortieren. Gib deinem Unterbewusstsein die Möglichkeit, alles ans Licht zu bringen, was bisher im Verborgenen schlummerte. Dies ist der erste Schritt zur Befreiung von deinen inneren Bremsern.  

 

Störungen haben Vorrang

B. Es gibt zwei Worte, die in Zusammenhang mit inneren Veränderungen immer wieder auftauchen: „eigentlich“ und „aber“. Eigentlich will man sich verändern und das einschränkende Muster ablegen, aber irgendwas stellt sich quer. Dann versucht man es mit Härte „ich muss doch jetzt endlich mal“ oder schiebt die Veränderung auf. Bei beiden Vorgehensweisen übersieht man, dass innere Widerstände immer einen guten Grund haben. Und solange diese Widerstände nicht überzeugend ausgeräumt sind, stellt sich unser Innerstes quer. Um deinen inneren Quertreibern und Ambivalenzen auf die Schliche zu kommen, könntest du dich beispielsweise fragen, welche Vorteile es hat, dein Ziel nicht zu erreichen, also nicht erfolgreich oder wohlhabend zu sein? Eine meiner Klientinnen kam bei dieser Frage darauf, dass sie mit genug Geld keinen Grund mehr hätte zu jammern – schlecht, denn zu jammern brachte ihr Aufmerksamkeit. Im nächsten Schritt überlegte sie, wie sie ihrem aufmerksamkeitsbedürftigen Anteil auf andere Weise gerecht werden konnte, damit er mit finanzieller Stabilität einverstanden war. Du siehst: Es ist erfolgsentscheidend, dass du dich ernsthaft fragst, was gegen die Veränderung spricht. Was könnte passieren? Gibt es Menschen, die dich dann nicht mehr mögen oder die dir den Erfolg missgönnen? Finde dafür Lösungen, mit denen jeder Anteil in dir glücklich und zufrieden ist; dann geht deine Veränderung leicht und rasch voran. 

Spruch: Gib zurück, was nicht deins ist.

 

C. In so gut wie allen Familien gibt es ausgesprochene oder unausgesprochene Grundsätze, wie man zu sein oder zu leben hat, was okay ist und wie man nicht sein darf. Wenn du erkannt hast, dass du von alten  familiären Glaubenssätzen gesteuert wirst, die dich von deiner Größe abhalten, kommt hier die Visualisierungsübung, mit der du sie zurückgeben und frei von ihnen werden kannst. Schreibe zunächst die fünf machtvollsten Lebenseinstellungen auf, die du ungewollt von deinen Eltern übernommen hast und die dir im Wege stehen. Und nun stell dir vor, dass du diese fünf quälenden Glaubenssätze in ein Gefäß gibst. Du siehst dich selbst mit dem Gefäß in den Händen und vor die steht die Person, von der  dein hinderlicher Glaubenssatz stammt. Spüre in dich hinein: Wie geht es dir bei dem Gedanken, den Glaubenssatz, der nicht der deine ist, zurückzugeben? Vorfreudig und bereit? Wenn ja, dann frage den Urheber des Glaubenssatzes, ob er jetzt bereit ist, ihn wieder zurückzunehmen. Stimmt er zu, überreiche ihm das Gefäß und danke ihm dafür, dass er es jetzt an sich nimmt. Wenn du das Bedürfnis danach verspürst, nehmt einander liebevoll in den Arm und beobachte dann, wie sich dein Gegenüber mit dem Gefäß samt dem angsteinflößenden Satz, umdreht, davongeht und schließlich verschwindet. Und du spürst: Mit dem Menschen verschwindet auch dein altes inneres Muster.

 

Mach dein Hirn zu deinem Freund  

A. Wie redest du eigentlich mit dir? Die meisten Menschen sprechen so hart und kritisch mit sich bzw. mit ihrem Hirn, dass dem die Lust auf Veränderung ganz schnell vergeht. Und dann wundern sie sich über seine Renitenz. Aber ganz ehrlich: Wer fühlt sich schon motiviert, wenn er dauernd hört „wie kannst du nur so blöd sein“, „lass das doch endlich“, „du musst jetzt aber wirklich mal…“. Redet man so mit seinem Partner oder seinen Mitarbeitern, werden die dichtmachen und denken: „so nicht mit mir“. Und deinem eigenen Hirn geht es genauso. Was also tun? Sprich liebevoll und einfühlsam mit deinem Hirn wie mit einem Freund. Dann ist es voll motiviert, sich so zu verändern, sodass du deine Ziele erreichst und wirst, wer du sein möchtest. Hab Mitgefühl mit dir und habe Verständnis für alle deine Gedanken und Gefühle. Sie sich zuzugestehen und ernst zu nehmen ist der entscheidende Schlüssel zur Veränderung. Das geht übrigens allen so: Jeder trägt in sich den Wunsch, verstanden und akzeptiert zu werden mit allen Ecken, Kanten, Schwächen und Unsicherheiten. Wenn dann die Botschaft kommt „ich mag dich wie du bist“, fühlt man sich sicher und ist auch bereit, an die ungeliebten Persönlichkeitsanteile ranzugehen und etwas zu ändern. Kommt dir das bekannt vor?       

     

Hirne lieben Babyschritte

B. Hirne sind auch nur Menschen. Wenn man von ihnen eine riesengroße Veränderung innerhalb kürzester Zeit erwartet, reagieren sie mit einem entsetzten „oh Gott, oh Gott, das kann ich nicht.“ Klar, da soll so ein Hirn plötzlich eine große Emotion oder eine über Jahrzehnte verinnerlichte Überzeugung mal eben so loslassen und fühlt sich damit komplett überfordert. Was tun? Normalerweise nutze ich dann bei meinen Klienten die Mentaltechnik (S)HE – (Self) Hypno Empowerment, eine Art von Antivirensoftware für das Hirn, die belastende Muster rasch in der Tiefe auflöst. Ein Element dieser Methode kannst du aber auch ganz allein nutzen: Zerlege die große Veränderung, die du anstrebst, in viele kleine Schritte, zu denen dein Hirn immer „ja“ sagen kann. Statt also deinem Hirn zu sagen, es soll jetzt eine riesengroße Angst loslassen, bitte es, ein Prozent dieser Angst loszulassen und durch Mut zu ersetzen. Ein mickeriges Prozent – das schafft selbst das zögerlichste Hirn. Und dann 5 Prozent. Ja, das bekommt das Hirn auch hin. 10 Prozent. Klappt auch. Und so machst du in Babyschritten weiter, bis die große innere Veränderung erfolgreich abgeschlossen ist.       

Spruch: Sanftheit siegt

 

C. Mitte der Achtzigerjahre war das positive Denken sehr angesagt. Alle begannen, mit Affirmationen zu arbeiten und hofften, sich auf diese Weise auf Erfolg programmieren zu können. Sie sagten sich Sätze wie „ich bin reich“, „ich bin erfolgreich“ oder „ich bin schlank“ und wunderten sich, dass nur wenig Wirkung eintrat, obwohl sie diese Sätze wieder und wieder wiederholten. Vielleicht hast du auch schon versucht, mit Affirmationen zu arbeiten und ähnliche Erfahrungen gemacht. Was läuft da falsch? Es ist wie bei den zu großen Veränderungsschritten. Das Hirn reagiert mit Abwehr. Es hört „ich bin erfolgreich“ und denkt sich: „Nein, stimmt nicht, meine Realität ist anders.“ Als ich (S)HE – (Self) Hypno Empowerment konzipierte, war es mir wichtig, auch dafür eine Lösung zu finden. Auch die lässt sich partiell ohne das die Wirkintensität verstärkende Antivirenprogramm nutzen: Es ist ein Satzbaukasten mit sanften Formulierungen, die, miteinander kombiniert, vom Hirn bereitwillig aufgenommen werden. Hier einige Vorschläge daraus. Probiere doch heute mal, deine Affirmation ganz sanft einzuleiten mit „ich entscheide“ „ich erlaube mir“ oder „ich bin bereit“. Also: „Ich entscheide, mich erfolgreich zu fühlen“, „ich erlaube mir, mich erfolgreich zu fühlen“ und „ich bin bereit, mich erfolgreich zu fühlen“. Und? Fühlt sich das nicht viel besser an?